10. Mai 2026 | Meldung
Wer alle Bienen für Honigbienen hält und alle Wespen mit den schwarzgelben Plagegeistern am Zwetschgenkuchen gleichsetzt, kennt gerade mal 0,25% der in Deutschland vorkommenden Bienen und Wespen. Gemeinsames Kennzeichen aller Stechimmen (Aculeata) ist eine tiefe Einschnürung zwischen Brust und Hinterleib, die berühmte Wespentaille. Und alle weiblichen Bienen und Wespen verfügen über einen Giftstachel, der entweder nur zur Abwehr eingesetzt wird, oder bei den Wespenartigen auch zur Lähmung von Beutetieren.
Außer dem "Nutztier" Honigbiene sind deutschlandweit 580 überwiegend solitär lebende Wildbienenarten nachgewiesen, (360 in Niedersachsen), darunter 41 Hummelarten, (von denen nur noch 7 relativ häufig sind).
Rund 70% aller Bienenarten sind inzwischen bestandsbedroht. Deshalb sind auch im Siedlungsbereich dringend Schutzmaßnahmen erforderlich, beispielsweise durch geeignete Nisthilfen und vor allem durch giftfrei blühende Naturgärten mit einheimischen Pflanzen. Auch richtig angelegte Gründächer sind für einige Bienen- und Wespenarten durchaus attraktiv. Mehr.
Der Klimawandel hat spürbare Auswirkungen auf das Vorkommen und Verhalten einheimischer Wespenarten in Mitteleuropa. Durch steigende Durchschnittstemperaturen, mildere Winter und längere Vegetationsperioden werden viele Wespenarten bereits früher im Jahr aktiv. Ihre Nester bleiben zudem über längere Zeiträume bestehen, was die Phase des Kontakts zwischen Wespen, Menschen und Tieren deutlich verlängert.
Ein weiteres zentrales Phänomen ist die Verschiebung der Lebensräume: Arten, die bislang nur in wärmeren Regionen beheimatet waren, breiten sich zunehmend in nördlichere Gebiete aus. Gleichzeitig profitieren invasive Arten wie die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) vom milderen Klima. Dies führt zu einer verstärkten Konkurrenz um Nahrung und Nistplätze zwischen einheimischen und invasiven Wespenarten.
Für den Menschen ergeben sich daraus mehrere Herausforderungen. Die verlängerte Aktivitätsphase der Wespen steigert das Risiko von Stichen, was natürlich vor allem für Allergikerinnen und Allergiker relevant ist. Auch Imkerinnen und Imker sind betroffen, da bestimmte Wespenarten Jagd auf Honigbienen machen. Dies könnte zu höheren Verlusten bei Bienenvölkern führen.
Der Naturschutz steht darüber hinaus vor der Aufgabe, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Schutz einheimischer Arten und der Eindämmung invasiver Arten zu gewährleisten. Die Veränderungen durch den Klimawandel erfordern daher neue Anpassungsstrategien im Umgang mit Wespen – sowohl im Artenschutz als auch im Management des Gesundheitswesens.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Klimawandel das ökologische Gleichgewicht verändert und einen verantwortungsvollen, angepassten Umgang mit Wespen notwendig macht. Unsere einheimischen Wespenarten bleiben auch in Zukunft bedeutend, unter anderem für die Bestäubung von Pflanzen und die Vertilgung von Schädlingen. Sie bilden in Niedersachsen mit über fünfzig Wespenarten einen wichtigen Bestandteil unserer heimischen Artenvielfalt. Ihr Schutz muss weiterhin Priorität haben. Denn leider ist das Überleben der meisten heimischen Wespenarten gefährdet, vor allem durch die Auswirkungen des Klimawandels, den Verlust von Lebensräumen und der Abnahme des Nahrungsangebotes sowie den vielfachen Einsatz von Umweltgiften wie zum Beispiel Pestiziden.
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