BUND Region Hannover

Schlangen

Es züngelt und schleicht in der Region: Die heimischen Schlangenarten sind völlig ungefährlich - aber stark gefährdet!

Ungiftige Schlingnattern haben ein schlankes Erscheinungsbild, eine runde Pupille, glatte Schuppen, ihre Rückenzeichnung besteht häufig aus zeilenartig angeordneten Flecken.

Kreuzottern sind dagegen recht plump gebaut, besitzen eine senkrecht stehende Pupille, deutlich gekielte Schuppen und auf dem Rücken häufig ein zusammenhängendes Zickzackband. Beide Arten fauchen und beißen bei Gefahr, sind hervorragend getarnt und bei uns überaus selten. Ihre Gefährdung beruht vor allem auf der Zerstörung und Zerschneidung ihrer Lebensräume; noch immer werden Schlangen und andere Kriechtiere erschlagen.

Dies ist allerdings aus mancherlei Gründen nicht mehr zeitgemäß. So ist es gesetzlich verboten, Reptilien als streng geschützte Tiere selbst unwissentlich zu töten. Es bleibt die Behauptung, gefährliche Untiere (meist trifft es ohnehin Blindschleichen oder Nattern) zum Schutz der Menschen bekämpfen zu müssen... Die Gerüchte über Ungeheuer wurden jedoch durch die Forschung "ausgerottet".

Kreuzottern sind Giftschlangen, daher ist ihr Biss auch für den Menschen nicht harmlos. Allerdings greifen Schlangen niemals von sich aus Menschen an, sondern beißen nur zur Verteidigung, z.B. wenn sie gefangen oder getreten werden.

Bei der ersten Abwehrreaktion wird in 50-60 Prozent der Fälle gar kein Gift injiziert; die Tiere setzen das Gift erst beim zweiten oder dritten Zustoßen (falls das noch nötig ist) ein. Bisse erfolgen meist in die Hand und in den Fuß oder Knöchel, sind also bei entsprechender Vorsicht (festes Schuhwerk, Schlangen nicht anfassen) gut zu vermeiden.

Der Biss wird als schmerzhaft, ähnlich einem Wespenstich, empfunden. Es gibt aber auch Fälle, in denen er kaum wahrgenommen wird. Typische Symptome sind Schwellungen und Rötungen im Bereich der Bissstelle. Auch Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Atemnot, Blutungen und weitere Beschwerden können auftreten. Als viel gefährlicher als die Giftwirkung selbst kann sich das Auftreten eines Schocks erweisen. Ein Teil der gebissenen Menschen bemerkt auch später nichts. Diese Fälle können also gar nicht in Statistiken auftreten. Bei den klinisch erfassten Fällen zeigt sich folgendes Bild: Keine oder nur leichte Vergiftungserscheinungen (lokale Schwellungen, Übelkeit) sind bei 40-70% der Patienten zu beobachten. Der Anteil schwerer Fälle mit mehrtägigen Klinikaufenthalten liegt unter 15% (sofern kein Antiserum verabreicht wird). Pro Biss werden nur selten mehr als 10 mg Gift eingesetzt, die tödliche Giftdosis für einen Erwachsenen beträgt 75 mg. Entsprechend gering ist die Gefahr, an einem Kreuzotterbiss zu sterben; der letzte Todesfall in Deutschland trat 1959 auf.

Woher kommt dann das Gerücht über die Gefährlichkeit der Kreuzotter? Die Angst nach dem Biss kann durch "Ammenmärchen" geschürt werden - und die Stärke des Schocks entscheidend beeinflussen. Nicht zu unterschätzen war zumindest in der Vergangenheit die Gefährlichkeit der medizinischen Gegenbehandlung. Manch schwerer Krankheitsverlauf hatte hier seine Ursache. Im Falle eines Falles sollte man heute Ruhe bewahren, auf sämtliche Hausmittel verzichten, einen Arzt aufsuchen und in den folgenden Tagen größere Anstrengungen vermeiden. Auch modernste Antiseren sollten aufgrund ihrer Nebenwirkungen nur in schwersten Fällen und bei anschließender stationärer Behandlung bzw. Aufsicht verabreicht werden. Neben Gift, Schock und Medizin gab und gibt es auch noch üble Nachrede: Schon 1908 ergab eine Überprüfung von Todesmeldungen in Zeitungen, dass die Nachrichten oft frei erfunden waren!

Heute hört man mitunter im Fernsehen, dass die Kreuzotter die giftigste Schlange Europas sei. Das mag gut für die Einschaltquoten, aber schlecht für unsere - vergleichsweise harmlosen - Kreuzottern sein. Die gefährlichsten Schlangen Europas sind die orientalischen Arten Berg- und Levanteotter, diese zählen sogar zu den giftigsten Schlangen der Erde.
Kurzum, Sie brauchen keine Angst VOR unseren Schlangen zu haben. Deren Vorsicht ist so groß, dass sie ohnehin vor Ihnen fliehen werden - wenn es sie noch gibt. Angebracht ist vielmehr Angst UM heimische Schlangen!

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