Sanierung ja - Ausbau nein!
Hintergrund
Obwohl der Verkehrsentwicklungsplan der Region Hannover eine Reduzierung des Pkw-Verkehrs bis 2035 um 50 Prozent vorsieht und jenseits des Deisterplatzes sowie kurz vor dem Bremer Damm die Geschwindigkeit ohnehin auf maximal 50 km/h beschränkt ist, deutet vieles darauf hin, dass der Westschnellweg nach Autobahn-Standard ausgebaut werden soll. Dies könnte – da der Westschnellweg eine Bundesstraße ist – automatisch höhere Geschwindigkeiten und mehr Lärm mit sich bringen, wenn aus Gründen der Verkehrssicherheit rechtlich keine Tempobegrenzung mehr erforderlich wäre. Zudem soll der Schnellweg deutlich um bis zu 10 m verbreitert werden. In Folge müssten tausende Bäume abgeholzt werden und das Mikroklima entlang des Westschnellwegs im Sommer würde spürbar heißer werden. Denn statt kühlender Bäume gäbe es dann eine größere, sich schnell erhitzende Asphaltfläche.
Wir fordern eine Sanierung ohne Ausbau
Dass eine Sanierung des Westschnellweges und der Brückenbauwerke notwendig ist, wird nicht in Frage gestellt. Eine Sanierung muss sich jedoch dringend an den Klimazielen der Region orientieren. Bekanntermaßen verfehlt gerade der Verkehr im Klimaschutz seine Ziele seit Jahren.
Wir schlagen ergänzend vor: Um die Erhitzung der Fahrbahn zu reduzieren, wären hellere Fahrbahnbelege sinnvoll, die weniger Wärme speichern. Zudem sollte in Bereichen, wo Wohnbebauung angrenzt, unbedingt eine Einhausung mit begrünten Lärmschutzwänden eingeplant werden, um zugleich durch Pflanzen CO2 aufzunehmen, das Mikroklima zu verbessern und Staub zu binden. Die Zerschneidung von Wohngebieten und der international berühmten Herrenhäuser Gärten sowie dem angrenzenden größten Kleingartenverein in der Stadt durch den Schnellweg ist eine von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung stark kritisierte Altlast der vergangenen Stadtplanung der Landeshauptstadt. Hier muss im Rahmen der Sanierungsarbeiten nachgebessert werden, um die Sünden der Vergangenheit etwas abzumildern.
Zwar findet ein Beteiligungsverfahren mit Bürger*innen und Interessengruppen statt, um die Wünsche und Meinungen der Öffentlichkeit in den Planungsprozess einfließen zu lassen, aber die dabei entstehenden Ergebnisse sind nicht verpflichtend und können später vollständig ignoriert werden - was leider sehr wahrscheinlich ist. Denn die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) richtet sich bei ihren Planungen nicht nach dem Verkehrsentwicklungsplan der Region Hannover oder den Klimaschutzzielen, sondern nach einem völlig veralteten Bundesverkehrswegeplan. Hier wird von steigenden Verkehrszahlen auf dem Westschnellweg ausgegangen. Zudem wurde bereits im Erläuterungsbericht des Feststellungsentwurfs zum Südschnellweg darauf hingewiesen, dass die Erneuerung des Westschnellwegs nach den gleichen Kriterien erfolgen soll.
Der Bürgerrat formuliert 7 Grundsätze und 31 Empfehlungen
Am 8. Juli 2025 wurden die Arbeitsergebnisse des Bürgerrates an die NLStBV übergeben.
Diese enthielten unter anderem folgende Aussagen: “Für die Zukunft des
Westschnellwegs ist es uns wichtig, dass für den motorisierten Verkehr keine zusätzlichen
Flächen verbraucht werden. Die jetzt genutzte Fläche darf nicht vergrößert werden, die
Fahrstreifen dürfen nicht verbreitert werden.” Der BUND sieht sich daher in seiner
Forderung nach einer Sanierung im Bestand zu 100% bestätigt. Ebenso begrüßen wir
auch alle anderen Grundsätze und Empfehlungen des Bürgerrates und hoffen, dass
Politik und Behörden sich daran halten werden.
Unsere weiteren Schritte
Der BUND Hannover ist als Umweltschutzverband im Dialogforum des Beteiligungsverfahrens vertreten und versucht darüber hinaus, über Protestaktionen gemeinsam mit anderen Initiativen einen Ausbau des Westschnellwegs nach Autobahn-Standard zu verhindern. Sollten wir auf diesem Weg nicht erfolgreich sein, wollen wir Klage einreichen und vor Gericht – auch aus Gründen des Klimaschutzes, zu dem sich Deutschland verpflichtet hat - dafür kämpfen, dass keine Verbreiterung nach Autobahn-Standard, sondern eine angepasste Sanierung im Bestand durchgeführt wird.
Der BUND fordert eine Sanierung im Bestand, weil:
> es den Klimazielen und dem Verkehrsentwicklungsplan der Region Hannover entspricht.
> dadurch tausende Bäume gerettet werden.
> es weniger Bauzeit und Baulärm bedeutet.
> es viel weniger Geld kostet.
Mehr Information
Wenn Sie mehr über den Ausbau des Westschnellwegs und die Kritikpunkte am Bundesverkehrswegeplan erfahren wollen, haben wir hier für Sie einige interessante Beiträge verlinkt.
Artikel in der HannoRad 3/24 des ADFC über die Sanierung des Westschnellwegs im Bestand
Grundsätze und Empfehlungen des Bürgerrates
BUND Rechtsgutachten Bundesverkehrswegeplan
Verkehrsentwicklungsplan 2035+ der Region Hannover
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Um den Ausbau nach Autobahn-Standard zu verhindern, wird ein jahrelanges Engagement mit Rechtsberatung und Gutachten notwendig sein. Dies wird leider sehr teuer. Deshalb benötigen wir dringend finanzielle Unterstützung.
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Kontoinhaber: BUND Kreisgruppe Hannover
IBAN: DE78 2501 0030 0045 7663 00
Verwendungszweck: Westschnellweg
BIC: PBNKDEFF
Kreditinstitut: Postbank Hannover