Weißstörche in der Region Hannover im Jahr 2024

Storchennest in Steinhude 2024  (Dr. Reinhard Löhmer)

Vorbemerkung
Die Bestandserfassung ist nochmals schwieriger geworden, weil die Störche heute an Orten siedeln, an denen sie in historischer Zeit nicht vorgekommen sind. Aktuell befinden sich mehr als 25% aller Nester in oder auf Bäumen. Die Schnittteller geasteter oder geköpfter Bäume bieten ideale Voraussetzungen für den Nestbau. Weiterhin schrumpfen die Abstände zwischen den Nestern. Eine Tendenz (Rückkehr?) zur Bildung von (Klein-)Kolonien ist erkennbar.

Verlauf der Brutsaison
Die Rückkehr der Westzieher schon im Februar ist zur Regel geworden. Bis Anfang März 2024 waren sie vollzählig auf ihren Horsten und legten ab der Monatsmitte die ersten Eier. Die Ostzieher trafen ab Ende März 2024 ein, vermehrt auch wieder erst im April. Insgesamt verliefen die Heimzüge auf beiden Zugrouten ohne Hindernisse. Bereits besetzte Nester waren für später eintreffenden Brutpaare kein Problem. Die Paare bauten in kürzester Zeit ohne Hilfen ihre Nester. Es gab 20 Neugründungen. Spektakulär war der Nestbau im Gipfel einer Konifere in Steinhude (Ost) und auf einem Schnittteller in der Ortslage Gailhof (s. Fotos). Die Mast- Nisthilfe in Katensen war gleich im ersten Jahr besetzt. Angenommen wurde auch das sanierte Wagenrad auf dem alten Schlauchturm der Feuerwehr in Otze. In Isernhagen KB ist die Umsiedlung vom Funkmast auf die nebenan aufgestellte Masthilfe problemlos gelungen. Die Paarzahlen sind in den Stadtgebieten von Wunstorf (39 Paare), Neustadt (24 Paare) und Garbsen (12 Paare) im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben. Zuwächse bzw. eine Verdichtung der Nester gab es auf ganzer Fläche. Die Niederschläge im Winterhalbjahr mit den großflächigen Überschwemmungen sind ohne Einfluss auf den Bruterfolg geblieben. Alle Paare zusammen zogen im Schnitt 2,08 Junge auf. Der Wert lag damit deutlich oberhalb des langjährigen Mittelwertes von 1,8. Kleinsäuger wie Feld-, Wühlmaus oder auch den Maulwurf hat es in den überschwemmten Talauen weniger gegeben. Dafür dürfte aber so mancher Fisch aus der Leine oder aus Fischteichen bei abziehendem Wasser in den Flutmulden (tot oder lebendig) verblieben und leichte Beute gewesen sein. Die Abfall-Deponien in Burgdorf und Kolenfeld ziehen nach wie vor sowohl die Brutstörche als auch die Übersommerer an. Im Umfeld der Deponie Burgdorf hielten sich ab Juni bis in den August hinein bis zu 40 Exemplare auf. Die für die Aufzucht ungünstige Witterung mit Niederschlägen und niedrigen Temperaturen zu den Zeiten der Eisheiligen und der Schafskälte hat zu Jungen-Verlusten geführt, die aber nicht ins Gewicht gefallen sind: Etwa 40 % der Paare haben zwei Junge aufgezogen. Drei Junge hatten gut ein Drittel der Paare. Aus 13 Nestern sind vier Junge ausgeflogen. In Dachtmissen und Steinwedel waren es sogar fünf Junge. Nur 28 Bruten (16,8 %) sind ohne Erfolg geblieben. Das alles sind vergleichsweise sehr gute Nachwuchszahlen! Es bleibt schon erstaunlich, wie die Störche in unserem intensiv bewirtschafteten Kulturland so erfolgreich ihre Jungen versorgen können. Das gelingt ihnen vermutlich nur, weil sie als sogenannte „Generalisten“ alles aufnehmen, was ihnen vor den Schnabel kommt – tot oder lebendig!

Die Jungen der Frühbrüter sind ab der letzten Juni-Dekade ausgeflogen, die der Nachzügler z.T. erst im August. Auffällig war auch die große Zahl der Nichtbrüter als Übersommerer. Der Zuwachs im Brutbestand basiert nach wie vor auf dem Zuwachs der westziehenden Störche, die mehrheitlich auf der iberischen Halbinsel überwintern. Die Zahl der Ostzieher stagniert.

Die Storchenzählung startete im Jahr 1934 noch mit 55 Paaren, danach ging es bergab. 1988 war in der Region mit nur noch 9 Paaren der Tiefststand im Bestand erreicht.

• 2024 haben von den 167 Paaren 139 erfolgreich gebrütet
• Die erfolgreichen Paare haben mehr als 347 Junge aufgezogen

Der Jahrgang 2024 wird sich ab 2026 in den Brutbestand eingliedern. Die hohe Zahl der noch nicht geschlechtsreifen Übersommerer in diesem Jahr und der starke Jahrgang 2024 lassen erwarten, dass die Population der Störche in der Region Hannover weiterwachsen wird. Ob das wirklich so eintritt, wird sich zeigen und hängt ganz wesentlich von der „Storchfähigkeit“ der Lebensräume sowie den Umweltbedingungen ab - und das nicht nur am Brutplatz, sondern auch in den Durchzugsgebieten sowie im Winterquartier. Nicht auszuschließen ist, dass bei der aktuellen Klimaentwicklung auch die Zahl der Überwinterer zunehmen und der Storch schlussendlich zu einem Standvogel wird.

Dr. Reinhard Löhmer, Storchenbeauftragter

Storchennest in Gailhof 2024  (Dr. Reinhard Löhmer)

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