#2 Luftverschmutzung durch IT? Ist doch Quatsch, oder?

30. Oktober 2026

Ein Kommentar von unserem Vorstandsmitglied Dr. Bernd Alt

Dass Digitalisierung zur Luftverschmutzung beitragen kann, stellt man sich wahrscheinlich nicht auf Anhieb vor. Allerdings: Speziell größere Rechenzentren zählen zur sogenannten „Kritischen Infrastruktur“ und müssen per gesetzlicher Regelung gegen Stromausfälle optimal abgesichert werden, weil diese zu Datenverlusten und schweren wirtschaftlichen Schäden führen könnten. Gesichert wird das durch die Kombination von riesigen Batteriespeichern und dieselbetriebenen Notstrom-Generatoren - große Rechenzentren brauchen Dutzende Generatoren.

Diese müssen monatliche Testläufe absolvieren und jährlich sogar mindestens 24 Stunden lang im Testbetrieb laufen. Anders als Pkw-Motoren setzen diese riesigen Aggregate enorme Mengen an Stickoxiden und Feinstaub frei. Umweltfreundlich ist also IT heutzutage auf keinen Fall - wie so oft steckt der Teufel im Detail (nicht nur in diesem). Natürlich müssen für eine ausreichende Funktionssicherheit große Mengen Kraftstoff vor Ort gelagert werden. Was aber passiert, wenn im Katastrophenfall, z.B. durch unpassierbar gewordene Straßen oder zum Erliegen gekommene Binnenschifffahrt der Nachschub ins Stocken gerät? Es gibt sie halt nicht, die absolute Sicherheit.

Mal eine kurze Rechnung am Beispiel des geplanten Komplexes in Mehrum: Die elektrische Leistung von 550 MW muss gegen Stromausfall abgesichert werden. Dazu dienen der Verbund von riesigen Batteriespeichern und dieselbetriebenen Generatoren. Üblicherweise wird die Leistung redundant abgesichert, d.h. mit doppelt vorhandenen Sicherheitsstrukturen. Für die gewaltige Strommenge, mit der man fast 3 Mio. Haushalte versorgen könnte, wären ca. 400 Generatoren mit einer Leistung von je 2,5 MW nötig. Die verbrauchen durchschnittlich ca. 0,2 Liter Diesel je kWh, so dass in einer Stunde Probebetrieb dieser Maschinen 110.000 Liter Diesel verbrannt würden - ohne Katalysator, wohlgemerkt…


Anläßlich des geplanten Hyperscale-Rechenzentrum in Mehrum im Landkreis Peine hat sich unser Vorstandsmitglied Dr. Bernd Alt in einer persönlichen Beitragsserie mit dem Thema Rechenzentren und ihre Auswirkungen auf Natur und Umwelt auseinandergesetzt. Beitrag #3 folgt in Kürze.

(Bild: kp yamu Jayanath auf Pixabay | KI-generiert)

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