Weißstörche in der Region Hannover im Jahr 2023

Storchennest auf Sendemast in Isernhagen  (Dr. Reinhard Löhmer)

Weißstörche seit Jahrzehnten auf dem aufsteigenden Ast:
Im Jahr 2023 stolze 147 Brutpaare und 258 ausgeflogene Jungen in der Region Hannover

In der Region Hannover hat der Weißstorch nach dem Tiefpunkt 1988 mit nur noch neun Brutpaaren ab Mitte der 1990-er Jahre ungewöhnliche Zuwächse erfahren, die in der heimischen Fauna ihresgleichen suchen. Der Bestand ist insbesondere im letzten Jahrzehnt durch außergewöhnliche Sprünge um mehr als 10 % pro Jahr auf nunmehr fast 150 Paare angewachsen. Diese Entwicklung beruht unverändert auf der prosperierenden Teilpopulation der Westzieher. Die Ostzieher stagnieren im Bestand und machen kaum mehr 40 % aller Brutpaare bei uns aus. Der Storch ist heute in ganz Deutschland auf dem aufsteigenden Ast. Inzwischen gibt es deutlich mehr als 10.000 Storchenpaare!

Die Brutsaison ist unverändert dadurch gekennzeichnet, dass die Westzieher schon ab Februar ihre Nester beziehen, ab Mitte März Eier legen und die Jungenaufzucht bereits Anfang Juli vollendet haben. Wenn im April die Ostzieher eintreffen – 2024 teilweise wieder erst Ende des Monats, sind die Mehrzahl der Brutplätze bereits besetzt. Nur wenige Nester können durch Kämpfe erobert werden. In der Mehrzahl müssen neue Nester gebaut werden. Das geschieht heute größtenteils ohne Hilfe des Menschen. Brutwillige Störche sind bei der Suche nach Nistmöglichkeiten nicht wählerisch und außerordentlich geschickt im Nestbau. Nester werden auf Dächern und Kaminen angelegt, sogar ein Funkmast wurde in Isernhagen ausgewählt (s. Foto 1). Die Neugründungen in gekappten oder geasteten Bäumen dominieren allerdings (s. Foto 2). Auf den Schnitttellern oder auch starken Ästen werden in kürzester Zeit Nester aufgebaut – nicht immer sehr stabil. Nestabstürze sind nicht selten. In der Region brüten inzwischen mehr als 25 % aller Paare in Bäumen.

Insgesamt haben in der Region 147 Paare gebrütet – nochmals 17 mehr als 2022: 

  • 36 Paare (24,5 %) sind ohne Nachwuchs geblieben (Brutverlust durch Ei-Absturz, Kampf Nahrungsmangel oder altersbedingt noch keine Eier gelegt).
  • 24 Paare (16,3 %) haben einen Jungvogel aufgezogen,
  • 48 Paare (32,7 %) konnten zwei Jungvögel zählen.
  • Bei 35 % der Paare sind drei und mehr Junge ausgeflogen. Jeweils fünf Junge hat es in Immensen, Horst (Nord) und Kolenfeld gegeben.

Im Stadtgebiet von Wunstorf gab es 2023 39 Paare – vor allem bedingt durch die Koloniebildungen in Bokeloh und Mesmerode (s. Karte). In Neustadt wurden 29 Paare gezählt und Garbsen liegt mit 13 Nestern auf dem 3. Rang.

Der Bruterfolg war in diesem Jahr bei den Frühbrütern witterungsbedingt besser als bei den Nachzüglern. Der Mai und Juni waren zu trocken und auch relativ kühl. Dadurch fehlten die Regenwürmer und (Groß-) Insekten für die Versorgung der Jungen. Dies erklärt, dass ca. 65 % aller Paare weniger als drei Junge aufgezogen haben. Dennoch entspricht das Brutergebnis mit 1,73 Jungen pro alle Paare in etwa dem langjährigen Mittelwert.

Überwinterung in der Region Hannover
Erstmals seit längerer Zeit sind wieder Störche nach der Brutsaison nicht weggezogen. Insgesamt verbringen 12 Störche den (milden) Winter in der Region – 9 davon in der südlichen Leineaue. Anders als früher sind diese Störche nicht sonderlich am Abfall der Deponien in Kolenfeld oder Burgdorf interessiert. Solange es keinen Dauerfrost und keine Schneedecke gibt, finden sie genug Nahrung in der freien Landschaft. Attraktiv ist in diesem Winter die überschwemmte Leineaue. Die im Boden lebenden Wirbeltiere (Mäuse, Maulwürfe) konzentrieren sich auf trockene Bereiche und sind leichte Beute für die Störche.

Dr. Reinhard Löhmer, Storchenbeauftragter

Storchennest in Harkenbleck  (Dr. Reinhard Löhmer)

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