"Schottergärten" - mehr als ein Negativtrend

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Der rasante Rückgang der biologischen Vielfalt ist dagegen keine verhandelbare Geschmacksfrage, sondern bittere Realität. Umso schlimmer: Schottergärten sind bei Hausbesitzern beliebter denn je.

Naturgarten versus Schottergarten

Artenvielfältig contra pflegeleicht?

Wenn Menschen wenig Zeit für die Gartenpflege haben und es zudem ORDENTLICH aussehen soll, werden Vorgärten und die Bereiche rund um das Haus gerne mit Folie, Schotter und Kies belegt. Mal abgesehen davon, dass eine Versiegelung von Flächen rund um das Haus laut Nds. Baugesetzbuch eindeutig verboten ist und das OVG Lüneburg im Januar 2023 dies bestätigt hat: Denn die Flächen rund um ein Haus müssen Grünflächen sein; das OVG definiert Grünflächen als solche "durch naturbelassene oder angelegte, mit Pflanzen bewachsene Flächen". Eine Abmahnung durch Kommunen ist also unanfechtbar rechtens. Und ob dem Baum der Schotter gefällt? Wurde er schon mal gefragt?

Podcasts beim NDR zum Thema

Ein interessanter Podcast zu Trend Schottergärten - ein Todesurteil für unsere Artenvielfalt

Ein Podcast unseres BUND Mitglied bei "Alles Möhre oder was? zum Unterschied "Steingärten" und "Schottergärten"

"Es soll aber ordentlich um unser Haus aussehen..."

Was ist eigentlich Ordnung? In der Natur ordenet sich alles von selber. Deshalb gehen viele Menschen gerne in der Natur spazieren. Aber in ihrem Garten soll es ordentlich sein. Aber auch ein Naturgarten hat seine eigene Ordnung, denn hier setzen sich genau die Pflanzen durch, die auf dem jeweiligen Boden optimal wachsen. Vielleicht wäre es ein guter Anstoß mal über den Begriff "Ordnung" öffentlich zu diskutieren. Soll unser Garten aussehen wie ein ordentliches Wohnzimmer? Oder ist es nicht einfach wunderbar, nur behutsam in die Natur im Garten einzugreifen und etwas zu lenken? Und sich von der Schönheit der vielen Pflanzen, auch Wildpflanzen, bezaubern zu lassen? So wie kleine Kinder durch einen Garten voller Blumen gehen und begeistert über jedes kleine Gänseblümchen im Rasen sind?

 (Frank Hessing)

"Aber es ist doch so schön pflegeleicht..."

Pflegeleicht? Wir wollen hier aber mal auf den Wunsch vieler Hauseigentümer eingehen, die es gerne "pflegeleicht" hätten. Im Laufe der Zeit wehen auch in einen Schottergärten Samen von Wildpflanzen und Bäumen, die dort keimen. D.h., entweder wird mühsam Kraut für Baum mit der Hand kniend ausgerissen auf dem unbequemen Schotter oder eine Giftspritze mit Herbiziden wird eingesetzt. Letzeres wäre dann ein weiterer Verstoß gegen geltendes Recht, denn der Einsatz von Glyphosat wie Roundup und Co ist auf versiegelten Flächen, also auch auf Bürgersteigen, Zuwegen und eben auch auf versiegelten Schottergärten auf privatem Eigentum verboten. Hier drohen drastische Geldstrafen, wenn man erwischt wird und außerdem tut das Gift vermutlich den Kindern und Hunden nicht gut.

Es geht auch anders!

Pflegeleicht und gut für den Boden hingegen ist diese Art der Pflasterung einer Autozufahrt mit Ritzenvegetation. Hier kann Wasser versickern, hier können an den sehr niedrig wachsenden Sedum-Arten sich Wildbienen erfreuen.

Schotter heizt uns ordentlich ein!

Nicht umsonst gibt es eine ganz spezielle "Schottervegetation" auf extrem trockenen steinigen Standorten. Wildarten, die hier überleben, bilden ganz tiefe Wurzeln, um an Wasser zu gelangen; manchmal metertief. Aber was macht der Klimawandel & die Hitze im Garten? Ein naturnaher Garten könnte entscheidend dazu beitragen, bei zunehmender Hitze und Trockenheit den Aufenthalt im Garten erfrischend zu gestalten und das eigene Haus im Sommer nicht so stark aufzuheizen, denn aus dem Grün steigt all morgendlich und abendlich angenehme Verdunstungskühle.

Wer noch dazu Bäume in Hausnähe hat oder teilweise die Fassade beranken lässt, kann das Haus gegen Wärme und Kälte "natürlich dämmen". Hingegen erhitzt sich der dunkle Schotter rund ums Haus an heißen Tagen, sodass um die Schottergärten kein kühles, erfrischendes Lüftchen weht. Sogar ein Müllbehälter am Haus lässt sich begrünen und sieht noch dazu hübsch aus.

Auch bei uns wird es immer trockner im Frühjahr und Sommer

Wie wir spätestens in den letzten heissen Sommern gelernt haben, sind unsere Grundwasserreserven nicht unbegrenzt und selbst im Wasserschlaraffenland Deutschland wird Wasser immer knapper. Wer also sein Haus rundherum versiegelt und das Regenwasser nicht auf natürliche Art und Weise versickern lässt, trägt persönlich dazu bei, dass die Grundwasserneubildung reduziert wird und damit Alle betroffen sind. In einem Naturgarten hingegen kann Regenwasser ungehindert versickern.

Wer noch dazu das Regenwasser vom Dach auf dem eigenen Grundstück versickern lässt oder in einen kleinen Teich fliessen lässt, kann vielleicht in Zukunft sogar noch Geld sparen, wenn eine Kommune dies honoriert. In unserem Naturgarten - dicht bewachsen mit Stauden, auch Wildstauden - brauchen wir so gut wie garnicht mehr "Unkraut" zu jäten; der Rasen ist durchsetzt mit vielerlei Kräutern, über die sich Wildbienen und Co freuen und wird nur, wenn es unbedingt nötig ist gemäht. Dadurch sammelt sich am Morgen viel Tau an den längeren Grashalmen und Kräutern im Rasen, sodass unser Rasen auch noch bei Hitze erstaunlich grün aussieht - ganz ohne Sprengen! Hier zu sehen, ein viel zu kurz geschorener Rasen: Sieht der echt noch schön aus? Nee, aber ordentlich!

Vielleicht ist es mal eine Anregung an den Rat der Stadt Hannover, sich die Regenwasserversickerung auf Grundstücken vorzunehmen, so wie es viele andere Kommunen schon gemacht haben.

 

Artenvielfalt und Schottergärten - Wir beraten gerne!

Für alle, die einen Garten haben, bieten wir kostenlose Beratung an bei der Sorten- und Artenauswahl von Gartenblumen, Stauden und Gehölzen, die besonders attraktiv für Wildbienen und Schmetterlinge sind. Wir geben auch Tipps, wie sich ein Garten insektenfreundlich umgestalten lässt. Sogar blühende Nutzpflanzen werden von vielen Insekten besucht. Dann bitte per Mail melden an smw(at)nds.bund.net

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