BUND Region Hannover

Ein Biotop wird entwickelt...

Viel Einsatz für einen besonderen Falter - eine Chronologie der Maßnahmen zum Erhalt des Moorbläulings

2019: Totholz für die Rote Knotenameise

Auch 2019 setzte der BUND seine Bemühungen zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Schmetterlings, den Moorbläuling, fort. Um seinen Lebensraum in der Feldmark bei Rethen zu erhalten, waren wieder viele Hände gefragt. Die Grabenabschnitte mit der Raupennahrungspflanze, dem Großen Wiesenknopf, wurden schonend mit der Sense gemäht und das Mahdgut mit dem Rechen entfernt. Außerdem konnten in mehreren Grabenabschnitten, in dem der Große Wiesenknopf fehlt, neue in liebevoller Handarbeit vorgezogene Wiesenknöpfe mit Spaten und Hacke mit dem Ziel gepflanzt werden, die Situation vor Ort weiter zu verbessern. Dennoch ist der Zustand der Moorbläulingspopulation nach wie vor extrem prekär. Bei der sehr geringen Größe des Habitats und der Population können schon kleine Zufälle zum Aussterben führen. Gerade auch die beiden Dürrejahre in Folge sind bedrohlich insbesondere für die Rote Knotenameise. Auf diese Art ist der Moorbläuling angewiesen, nur sie dient dem Bläuling als Wirtsameise, sodass deren Schutz zunehmend an Bedeutung bei der Durchführung der Pflegemaßnahmen gewinnt.

Während in der Vergangenheit das Augenmerk vor allem darauf lag, die Wiesenknopfbestände zu fördern, damit sie nicht überwuchert und verdrängt werden, erschien dies jedenfalls 2019 nur noch in Teilbereichen vordringlich. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit, die sich negativ auf die Bestände der Roten Knotenameise auswirkt, war die Förderung der Ameise viel wichtiger. Deshalb wurde der 2018 begonnene Weg weiter beschritten, durch selektive Sensenmahd und Brachestreifen ein von der Ameise bevorzugtes Mosaik aus höherer und niedriger Vegetation zu schaffen oder auch, wo inzwischen möglich, die Frühjahrsmahd einmal ausfallen zu lassen.Ergänzend wurde im Juli 2019 rund 100 Stück Totholz auf den vorhandenen Brachestreifen verteilt. Mit dieser Maßnahme soll erprobt werden, ob damit die Rote Knotenameise gefördert werden kann. Bereits im August konnten mehrere Nester der Roten Knotenameise unter einzelnen Totholzstücken festgestellt werden.

Da die Besiedlung Zeit benötigt, ist die weitere Entwicklung aber abzuwarten. Wir sind gespannt und möchten uns an dieser Stelle bei allen Beteiligten bedanken: dazu zählen die Landwirte, die Landschaftspflegefirma Fritz Baumgarte, die Naturschutzbeauftragte Magret Saxowsky, die ÖSML, der Wasser- und Bodenverband, die Untere Naturschutzbehörde der Region Hannover, der Gewässer- und Landschaftspflegeverband Mittlere Leine und natürlich die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

2018: Sensenschwingen für den Falterschutz

 (Matthias Woithe)

Zuerst sah alles noch ganz normal aus. Morgens in der Feldmark bei Rethen wurde begonnen, mit einer großen Maschine Gräben zu mähen. Aber dann hob und senkte sich der Ausleger immer mal wieder und produzierte ein Muster mit ungemähten Streifen. Maschinenschaden? Land Art? Versteckte Kamera? Manche Grabenabschnitte schien der Maschinenführer auch ganz vergessen zu haben. Dort machte eine Schar von hochmotivierten, mit Sensen und Rechen bewaffneten Menschen ein paar Tage später weiter. Nach reichlichem Schweißvergießen türmte sich zwar viel abgeschnittenes Grün am Wegrand, aber die Gräben wirkten nicht im mindesten fachgerecht gemäht, denn unan-getastete Stauden wechselten vermeintlich chaotisch mit kurz gesenstem Gras.

„Ist es auch (scheinbar) Wahnsinn, so hat es doch Methode“ ließe sich frei nach Shakespeare sagen, denn hinter dem Ganzen steht durchaus ein Sinn, nämlich Hilfe für einen vom Aussterben bedrohten Schmetterling, den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der hier nur noch ein winziges, isoliertes Vorkommen hat. Um den Großen Wiesenknopf, seine Raupennahrungspflanze, zu fördern, wurde mit Sensen um diese Pflanzen drum herum gemäht. Und um die Rote Knotenameise zu unterstützen, in deren Bauten die Raupen sich dann entwickeln, war es wichtig, dass immer wieder kleine eingestreute Flächen ungemäht bleiben. Erste Erfolge dieser und der vorjährigen Bemühungen haben sich 2018 eingestellt. Denn erstmals seit 2014 riskierten einige Bläulinge von ihren Restlebensraum, dessen gesamte Fläche gerade mal so groß ist wie ein Tennisspielfeld, wieder Ausbreitungsflüge zu den nächsten Wiesenknopfflächen. Für eine bessere Vernetzung hatten wir 2017 über zweitausend selbst gezogene Wiesenknopf-Pflanzen in die Gräben gesetzt, aber wagten kaum zu hoffen, dass sie schon so schnell angenommen werden. Auch die Wirtsameise hatte sich gegenüber dem Vorjahr sehr gut ausgebreitet.

Nun wünschen wir sehr, dass der Bläuling trotz hohem Aussterberisiko durchhält und uns auch in diesem Jahr die Freude macht, zur Flugzeit wieder da zu sein. Das wüstenähnliche Wetter war nicht nur für die Helferinnen und Helfer eine große Belastung, sondern gefährdete die Existenzgrundlagen des Falters, insbesondere die feuchteliebenden Ameisen. Wir arbeiten weiter daran, dass die Zahl der Falter wieder größer wird und die Population sich auch räumlich ausbreitet, so dass sie auch ungünstige Jahre verkraften kann, und hoffen erneut auf so tolle Hilfe wie letztes Jahr!

2017: Knöpfe in Rekordzeit „angenäht“

Die Sorgen, ob an diesem Tag wirklich alles klappen wird, waren unnötig. Der BUND hatte zu einer großen Pflanzaktion am 18. Oktober für den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling aufgerufen und das mit Erfolg: 32 hochmotivierte Menschen kamen morgens bei Rethen südlich von Hannover zusammen und brachten entlang von ausgesuchten Weg- und Grabenrändern fast 2.400 vorgezogene Pflanzen des Großen Wiesenknopfes in Rekordzeit in die Erde - bereits um 13 Uhr war es geschafft.

Allen Beteiligten ein großes Dankeschön für die tolle Aktion! Der BUND hilft mit Unterstützung der Region Hannover und auch des NABU dem vom Aussterben bedrohten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling an seinem letzten Vorkommen im mittleren Niedersachsen. Der sehr spezialisierte Bläuling benötigt die Blüten des Großen Wiesenknopfes unter anderem für die Eiablage sowie als Nahrung für die jungen Raupen und für die ausgewachsenen Falter.

Mit der Pflanzaktion soll der Lebensraum des stark geschrumpften Schmetterlingsvorkommens wieder vergrößert und besser vernetzt werden. Nachdem wir 2016 begonnen haben, einen artenreichen Wiesenstreifen anzulegen, kümmern wir uns 2018 außerdem um Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen von möglichen Bläulingslebensräumen im übrigen Landschaftsraum. Dafür haben wir ein umfassendes Konzept mit detaillierten Pflegevorschlägen vorgelegt. Ziel ist vor allem auch, die Rote Knotenameise zu fördern, denn die Bläulingsraupe entwickelt sich, wenn sie älter wird, in den Nestern dieser Ameise. Dafür ist sehr viel Handarbeit mit Sensen und Harken nötig, so dass auch in Zukunft fleißige Hände willkommen sind.

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