BUND Region Hannover

Gartenkosmonauten im KGV Herrenhausen-Burg

Wie ist die erste vertraglich geregelte Kleingartenpatenschaft in Hannover entstanden?

Die erste vertraglich geregelte Kleingartenpatenschaft in Hannover ist aus den Aktivitäten im Modellgarten des BUND-Projektes UNIVERSUM KLEINGARTEN entstanden. Im Juli 2018 legten Pädagog*innen und Kinder der beiden KiTas der Zachäus-Gemeinde erstmals Hand an in diesem Modellgarten im Kleingartenverein Herrenhausen-Burg. Unterstützt von Anke Bischoff und Jan Heeren vom BUND-Projektteam wurden Kinderhochbeete gebaut und bemalt und mit leckerem Gemüse bepflanzt. Auf einer großen Fläche entstand ein essbarer Dschungel aus Mais, Stangenbohnen und essbaren Blühpflanzen und - mit Hilfe von Kindern aus den umliegenden Kleingartenvereinen - eine Nisthilfe für Wildbienen.

Allen Beteiligten war klar, dass das vom BUND getragene Pachtverhältnis des Modellgartens Universum Kleingarten zum Jahresende 2019 ausläuft. Daher wurde schon früh nach einer gemeinsamen Lösung gesucht, um die gelungene Kooperation fortzusetzen. Obwohl der Kleingarten-Vereinsvorstand großes Interesse signalisierte, waren etliche Hürden zu überwinden. Vor allem die invasiven Monokulturen von Giersch und Hartriegel in weiten Teilen des Gartens stellten ein Riesenproblem dar. Mit tatkräftiger Unterstützung vieler KiTa-Familien und Gärtner*Innen aus den Vereinen Herrenhausen-Burg und Burgland konnte der Wildwuchs jedoch im Laufe des Jahres Schritt für Schritt beseitigt werden. Unterstützung gab es auch von anderen Seiten: So finanzierte der Bezirksverband der Kleingärtner Hannover (BZV) beispielsweise einen Container für den Abtransport großer Mengen Giersch- und Hartriegel und entwickelte mit dem BUND-Projektteam eine vertragliche Grundlage für eine Gartenpatenschaft durch KiTas. Der Wegewart strich die Laube und half in Trockenphasen fleißig beim Wässern der Rasenaussaat. Nachbarn unterstützten mit Werkzeug und machten Mut, indem sie die Gartenentwicklung rege verfolgten. Der Vereinsvorstand nahm sich der Laube an, professionalisierte die gesamte Stromversorgung und richtete einen eigenen Raum für die zukünftige Trockentrenntoilette ein.

Die anfängliche Idee der beiden Zachäus-KiTas, den Modellgarten des BUND-Projektteams bei Auslaufen der Pacht in einer Patenschaft zu übernehmen, reifte bis zum Jahresende 2019 zu einem festen Entschluss heran. Am 28. November haben die KiTas die erste hannoversche Patenschaftsvereinbarung unterschrieben und „reisen“ seither unter dem Namen Gartenkosmonauten durch das UNIVERSUM KLEINGARTEN.

Welche ganz konkreten Chancen einer Kleinartenpatenschaft werden im Kosmonautengarten im KGV Herrenhausen-Burg bereits mit Leben gefüllt?

  • durch eine Begleitung der KiTa Pädagogen und Eltern, werden Kinder mit allen Sinnen für Naturerfahrungen begeistert rund um ökologisches Gärtnern, unsere Ernährung und Artenvielfalt und an die vielfältigen Formen einer kleingärtnerischen Nutzung herangeführt
  • durch eine „offene“ Pforte, Beet-/Nisthilfebeschilderungen, etc. können interessierte Gartenfreunde an den Aktivitäten der Gartenkosmonauten teilhaben und Inspirationen zu naturnahem Gärtnern gewinnen
  • durch die schwerpunktmäßige Frequentierung des Gartens durch die KiTas an Vormittagen, bleibt der Kleingarten für die Nachbarschaft als Rückzugsort erhalten
  • durch die Offenheit der KiTas gegenüber einer Nutzung des Kosmonautengartens als Begegnungsstätte, kann er als solcher vom Verein zu ausgewählten Zeiten auch genutzt und bespielt werden, bspw. durch Umweltbildungsangebote von interessierten Gartenfreunden für Kinder aus dem KGV
  • indem sich Gartenfreunde bei Aktionen für Kinder aus dem KGV oder für die Gemeinschaft mit hohem Identifikationspotenzial einbringen können, wird das Ehrenamt gestärkt
  • indem KiTa-Familien den Kleingarten bei Spaziergängen in der Freizeit aufsuchen können, erfolgt eine Öffnung und Einbindung des KGV in den Stadtbezirk  
  • Kosmonautengärten machen Kleingärten als idealen Lernort für Nachhaltige Entwicklung sichtbar

Wie haben die bereits aktiven Gartenkosmonauten im KGV Herrenhausen-Burg die Pandemie-Situation in 2020 erlebt?

Die Rolle als Paten eines eigenen Kleingartens war für die Zachäus-KiTas noch frisch als die Pandemieregelungen griffen: Maximal zwei Personen durften den Garten im Frühjahr 2020 betreten. Ausflüge waren den KiTas grundsätzlich untersagt. Für die kleinen Gartenkosmonauten begann eine Zeit des „Gärtnerns ohne Garten“, bzw. der „Raumfahrt ohne Raumschiff“. In der Zwischenzeit stemmten vor allem einige KiTa-Pädagogen und einige Eltern die Pflege des Gartens – an Stelle  gemeinschaftlicher Arbeitseinsätze traten Aktionen mit wenigen anpackenden Händen. Im August nach der Schließzeit war es dann endlich soweit – die KiTas durften wieder in ihren Garten. Viele Beeren warteten bereits darauf vernascht zu werden, das erste Gemüse wurde reif. Äpfel folgten bald. In kleinen Gruppen konnten die KiTas die Fülle des Kleingartens wieder mit allen Sinnen erleben. Dank des großartigen Einsatzes all derer, die sich dieses Jahr trotz Widrigkeiten aktiv und unterstützend eingebracht haben, erwies sich der Kosmonautengarten in den Sommermonaten  einmal mehr als großer Glücksfall für die Kinder der beiden Zachäus-KiTas.

Nach einem Jahr der doppelten Bewährungsprobe, sind sich das BUND Projektteam und die Zachäus KiTas sicher: die Gartensaison 2021 kann kommen.

 

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