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Bodenfruchtbarkeit

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Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau

Fruchtbare Böden sind die einzigen Garanten dafür, dass die Welt dauerhaft und gesund ernährt wird. Doch fruchtbare Böden werden durch einseitige Monokulturen im industriellen Maßstab, fortschreitende Verwüstung und Überbeanspruchung immer mehr zerstört und damit auch ihre über- und unterirdische Artenvielfalt; auch bei uns. Ein fruchtbarer Boden ist immer zugleich ein humusreicher, lebendiger, biodiverser Boden, in dem Milliarden Lebewesen mit den Pflanzenwurzeln zum gegenseitigen Vorteil sich miteinander austauschen. Auf ihm wachsen vitale, gegen Schädlinge widerstandsfähigere Pflanzen und sichern damit eine gute Ernte. Wo zugleich vielfältige Kulturen auf Böden im Wechsel, oder als Mischkultur oder Untersaat angebaut werden, und zugleich auf Pestizide aller Art verzichtet wird, entfaltet sich die unterirdische und überirdische Artenvielfalt noch um ein Vielfaches.

Bodenfruchtbarkeit, Humusaufbau und Klimaschutz sind eine untrennbare Einheit

Böden sind wichtigster terrestrischer Kohlenstoffspeicher und damit eine Senke für CO2. Zugleich jedoch entweicht aus Böden neben CO2 auch Methan (25-mal so wirksam wie CO2) und Lachgas (298-mal so wirksam wie CO2); vor allem aus landwirtschaftlich genutzten Mooren, durch Überdüngung, Bodenverdichtung sowie Massentierhaltung. Zudem wird durch den Klimawandel und damit zunehmenden Temperaturen der Abbau von Humus beschleunigt. Was also tun? Wichtigste Quellen für Methan sind die intensive Land- und Forstwirtschaft, vor allem die Massentierhaltung. Wichtigste Quellen für Lachgas sind hochdosierte mineralische Düngung und die Massentierhaltung sowie Bodenverdichtungen. Damit wird klar, wo dringender Handlungsbedarf ist.

Der im Januar 2021 vorgestellte Bodenreport des BfN zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist, um fruchtbare, biodiverse Agrarböden zu fördern und damit endlich eine Abkehr einer Landwirtschaft, die auf Glyphosat, Insektiziden und anderen Pestiziden fußt, einzuleiten und der organischen Düngung den Vorrang geben muss:

„Eine Handvoll Erde enthält mehr Lebewesen, als es Menschen auf diesem Planeten gibt. Und doch ist diese Vielfalt bislang kaum erforscht. Dabei haben die Organismen im Boden erheblichen Einfluss auf Erfolg und Misserfolg der Landwirtschaft und werden ihrerseits durch diese beeinflusst. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat auf dieses Wissensdefizit reagiert und nun den ersten Bericht zur biologischen Vielfalt in landwirtschaftlich genutzten Böden (Download) vorgelegt.

  • Der erste Report zur Biodiversität landwirtschaftlich genutzter Böden des Bundesamtes für Naturschutz bescheinigt einen ähnlichen Rückgang der Artenvielfalt wie er in Agrarlandschaften überirdisch bereits dokumentiert ist.
  • Eine Neuausrichtung der Landwirtschaft hin zu nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden sei dringend erforderlich, um mögliche Risiken für Ökosysteme und Landwirtschaft abzuwenden.

Um die Ziele zu erreichen, müssten Naturschutz, Landwirtschaft und Politik an einem Strang ziehen, so die Autoren – zumal sich die Vorteile für die Landwirtschaft teilweise erst langfristig einstellen.“ (Quelle)

Es kommt auf jedes Prozent mehr Humus an

Vorwärtsgewandt denken und handeln: Mit jedem Prozent mehr Humus in einem Agrar- oder Gartenboden verbessert sich die Aufnahmefähigkeit des Bodens bei Starkregen und seine Wasserhaltefähigkeit bei längeren Trockenperioden. Böden, die zudem dauerhaften Bewuchs haben – also auch im Winter sowie nach der Ernte sofort wieder begrünt werden, sind resistent gegenüber Erosion und lassen Pflanzen vitaler wachsen. Beispielsweise durch Klee im Mais, der nach der Maisernte einen Schub bekommt und den Boden innerhalb kurzer Zeit vollständig bedeckt.

Mehr Humus bedeutet immer zugleich mehr Bodenfruchtbarkeit und mehr Bodenleben. Böden, die dauerhaft ihren Humusgehalt vermehren, tragen in vielfacher Hinsicht zum Klimaschutz bei: In ihnen wird CO2 gespeichert und der Atmosphäre entzogen und zugleich sind sie gegen die mit dem Klimawandel zunehmenden Wetterextreme widerstandsfähiger.

Kritiker des Humusaufbaus hingegen behaupten, dass unsere Agrarböden nur bedingt viel Humus aufbauen können und bald ihr Maximum erreichen würden. Die Praxis beweist das Gegenteil wie es Sepp Braun, Biolandwirt in Bayern, schon vor vielen Jahren gezeigt hat. Auch die besonders humusreichen Gartenböden, vor allem in alten Klostergärten, aber auch in vielen lang bewirtschafteten Kleingärten zeigen, dass sehr hohe und dauerhaft stabile Humuswerte möglich sind. In der Ökoregion Kaindorf hat Gerald Dunst anhand der Auswertung der Humusdatenbank gezeigt, dass ab einem Humuswert von ca. 5% im Boden, sich dieser selbst reguliert und stabilisiert.

Eine gute Zusammenfassung im Auftrag der UNEP ist von Stefan Schwarzer zu den Potentialen zur Kohlenstoffspeicherung in Böden im Buch "Humusrevolution" zu lesen.

Wir brauchen nicht noch mehr Chemie, sondern bewährte Praxisbeispiele

Viele Landwirt*innen sind zurecht skeptisch, weil sie alle paar Jahre „von oben“ wieder neue Vorgaben zum Bewirtschaften bekommen, die sich bald wieder ändern und alles auf den Kopf stellen. Was wir brauchen, sind aber ganz konkrete Erfahrungen aus der Praxis die überzeugen und sich Nachmachen lassen: z:b: in Praxisworkshops – wie sie u.a. von der Grünen Brücke durchgeführt werden, bei Feldtagen wie sie sehr erfolgreich schön länger im Chiemgau durchgeführt werden, beim Austausch an Stammtischen oder durch Videos über gelungene Beispiele wie sie hier zu finden sind.

Mittlerweile hat sich weltweit eine engagierte Szene von Wissenschaftler*innen, Bäuer*innen, Gärtner*innen und Urban-Garding-Aktivist*innen vernetzt, um sich mit positiven Beispielen und Erfahrungen auszutauschen und mit statt gegen die Natur zu wirtschaften. Stichworte sind Permakultur, Regenerative oder Aufbauende Landwirtschaft und Terra Preta-Kultur. Diese Bewegung versteht sich als Alternative zu eine agroindustriellen Landwirtschaft, die auf Gentechnik, Glyphosat und Chemiedünger immer mehr ehemals lebendige Böden weltweit zerstört. Einher geht dies mit der Stärkung der bäuerlichen Landwirtschaft: die Ertragssteigerung durch intensive Kulturen und deren Unabhängigkeit von teuren mineralischen Düngemitteln sind dabei das wesentliche Ziel sowie die Schließung regionaler organischer Kreisläufe und der regionalen Lebensmittelproduktion, beispielsweise durch viele neue SoLaWis – wie auch in der Hannover Region. Ein besonders interessantes, da auch wirtschaftlich sehr erfolgreiches Konzept, wird auf der Permakulturfarm Bec Hellouin verwirklicht.

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